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Leipzig - Näher dran 04_2013

19 Meister. Gibt es einen Anspruch, den Kunst erfüllen muss? Der Wunsch allein, mit Kunst zu protestieren, reicht nicht. Was zu pro- vozieren vermag, liegt im Auge des Betrachters und setzt eine bestimmte kulturelle Prägung voraus. Solche mo- dischen Elemente sind schnelllebig. Ich schätze Künstler, die sehr viel Zeit, ja Lebenszeit, investieren, die mit höchs- ter Akribie, mit Ehrlichkeit, Fleiß und Wahrhaftigkeit zu Werke gehen. Das sind bleibende Werte, denen auch ich mich verpflichtet fühle. Im Museum der bildenden Künste hängen nun Ihre Arbeiten neben denen Ihres Vorbilds. Es erfüllt mich mit großer Freude. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was für eine Ehre das für mich ist. Noch dazu in den großartigen Räumen des Muse- ums der bildenden Künste. Leipzig ist eine wunderschöne Stadt geworden. Was inspiriert Ihre Kunst? Ich, der ich als Modeschöpfer im- mer für Menschen zeichne, vermeide es in der Kunst, Menschen zu malen. Meine Sujets sind Engel und Affen, Ge- schöpfe zwischen Himmel und Erde, zwischen Kultur und Natur. Aktuell ikonisiere ich die Affenliebe in ihrer ganzen Unverschämtheit – im wahrs- ten Sinne des Wortes. Die goldenen Stickereien verweisen auf die Zeit des Rokoko, als die Biester in ihrem Leben und Lieben noch auf Jahrmärkten in üppigen Käfigen bestaunt wurden. Sie sagten einst, es sei leichter, inter- national erfolgreiche Kunst zu machen als Mode. Unbedingt. Wer in der Modewelt das größte Anzeigenvolumen hat, dominiert den Markt. Das ist ein millionenschweres Ge- schäft. Und es gibt wenige, die sich den technokratischen Be- dingungen dieses Marktes stellen. Mode ist an Dead- lines gebunden – wir liefern zwei oder sogar vier Kollekti- » Wolfgang Joop: Come Into My Garden My Roses Are Waiting For You (2012), Acryl, Gouache, bestickt DiE SChönE UnD DaS BiESt Das Museum der bildenden Künste Leipzig würdigt Richard Müller (1874–1954) erstmals nach dessen Tod als Zeichner, Grafiker und Maler von Rang: „Die Schöne und das Biest“, so der Titel der Ausstellung, stellt die Arbeiten des Dresdners den Werken des Amerikaners Mel Ramos (*1935) gegenüber. Während Müller als Vorläufer des Surrealismus gilt und altmeisterliche Ölgemälde schuf, wurde Ramos mit seinen Commercial Paintings im Pop-Art-Stil bekannt. Beide eint jedoch die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Akt, oft metaphorisch arrangiert mit animalischen Spiel- gefährten. Ergänzt wird die Ausstellung von Gemälden und Skulpturen Wolfgang Joops, der zudem Bilder aus seiner privaten Richard-Müller-Sammlung zur Verfügung stellt. „Die Schöne und das Biest“ ist noch bis zum 26. Januar 2014 zu sehen. ♥www.mdbk.de MODESChöPFER, KÜnStlER, aUtOR WolFgang JooP » Seinen Durchbruch als international gefragter Modede- signer feierte der Potsdamer 1978. In den Folgejahren baute er JOOP! zu einer renom- mierten Lifestyle-Marke aus. 2003 gründete er das Couture-Label Wunderkind. Wolfgang Joop studierte Kunst und arbeitete u.a. als Restaurator und freier Journalist. Er ist ein anerkannter Kunstsammler. Er malt, illust- riert und fotografiert. Seine Werke wurden u.a. auf der Biennale in Venedig gezeigt. onen im Jahr ab. Ein Künstler ist frei von solchen Zwängen. Über ihn urteilt in der Regel nur ein vorgebildetes Pub- likum. Über Mode urteilt jeder. Können Sie sich vorstellen, eines Ta- ges der Mode den Rücken zu kehren und sich ausschließlich der Kunst zu widmen? Nein, das glaube ich nicht. Malen ist einsam. Als Modeschöpfer habe ich ein wunderbar eingeschworenes Team um mich, das mir hilft, meine Kreativi- tät sichtbar zu machen. Das ist Arbeit in Freundschaft und Familie. das größte Anzeigenvolumen hat, dominiert den Markt. Das ist ein millionenschweres Ge- schäft. Und es gibt wenige, die sich den technokratischen Be- zwei oder sogar vier Kollekti- stellt die Arbeiten des schuf, wurde Ramos mit seinen Commercial Paintings im Pop-Art-Stil bekannt. Beide eint jedoch die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Akt, oft metaphorisch arrangiert mit animalischen Spiel-als international gefragter Modede-

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