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Leipzig - Näher dran 03_2014

2323 Sogar aus Berlin kommen Studenten, um an einem Setzworkshop teilzuneh- men. in JEDER hinSicht hiStORiSch In der Kombination von Museum und aktivem Werkstattbetrieb ist das En- semble einmalig. Wer die Hallen be- tritt, spürt das Flair einer längst ver- gangenen Zeit. Allein das Gebäude blickt auf eine hundertjährige Tradi- tion als Druckerei zurück. 1922 be- zog die Leipziger Reisebuchhandlung Dr. Karl Meyer die Fabrikräume. Im Jahr 1954 ging die Druckerei im VEB Offizin Andersen Nexö auf und pro- duzierte noch bis 1991. Schließlich wurden die Werkstätten 1994 Stück für Stück im Jahr zum Museum für Druckkunst umgebaut, das in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert. ♥ www.druckkunst-museum.de wie hier in Leipzig. Be- sucher können sich ent- weder in Gruppen oder auf eigene Faust frei zwischen den Pressen und Maschi- nen bewegen. Schilder mit langen Erklärungstexten gibt es hier nicht. Statt- dessen steht jederzeit einer der Mitar- beiter bereit, um Fragen zu beantworten und Pressen oder Maschinen vorzuführen. MEhR alS Ein MUSEUM Natürlich hat auch Thomas Kurz während seiner Ausbil- dung zum Schriftsetzer in den 80er-Jahren nicht mehr an einer Druckmaschine wie der „Wharfedale“ aus dem Jahr 1876 gelernt. Trotz- dem kann er die älteste Maschine des Museums bedienen, denn hier gibt jeder Mitarbeiter sein Wissen an den anderen weiter. Überhaupt ist das Druckkunstmuseum mehr Werkstatt als bloßes Museum. An den Pressen und Maschinen stellen die Mitarbeiter eigene Mu- seumsprodukte wie Geschenkpapier, Post- oder Visitenkarten her. In einer Ecke hat sich eine Frau mit lockigen Haaren eingerichtet. In ihren Hän- den, an denen die Reste schwarzer Druckerfarbe deutlich zu sehen sind, hält sie eine Platte, die sie mit einer Radiernadel bearbeitet. Die Künstlerin Karin Pietschmann mie- tet sich regelmäßig in die Werkstatt ein. Gerade ar- beitet sie an einer Radie- rung, einer sogenann- ten Tiefdrucktechnik. „In der Malerei oder mit einem digitalen Druck bekomme ich diese Intensität und diese Tiefe nicht hin“, erklärt sie. Ge- lernt hat die Künstle- rin die Technik während ihres Studiums an der Hoch- schule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Doch auch Interessierte ohne Vorwissen können sich in den Werk- stätten ausprobieren. Dafür bietet das Museum für Druckkunst unterschied- liche Kurse für alle Altersgruppen an. aufnahmE in WELtkuLturErbELiStE» Als immaterielles Kultur- erbewerdenkulturelleAusdrucksformenbezeichnet,dieun- mittelbar vom menschlichen Wissen und Können getragen sowie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Museum für Druckkunst Leipzig hat drei Drucktech- niken für die UNESCO-Liste für immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen: den Hochdruck, wie er durch Johannes Gu- tenberg bekannt ist, den Flachdruck, heute bekannt durch den Offsetdruck, und den Tiefdruck, wie beispielsweise eine Radierung. Das Aufnahmeverfahren ist mehrstufig und hat bereits letztes Jahr auf Landesebene begonnen. Nun müssen sich die Vorschläge auf Bundesebene bewähren, um dann in die Vorschlagsliste der Deutschen UNESCO- Kommission aufgenommen zu werden. Das Museum für Druckkunst hat den Sprung auf die nationale Ebene bereits geschafft. Der Bundesverband Bildender Künstler schickte übrigens den gleichen Vorschlag ins Rennen. Die Entschei- dung, ob die Drucktechniken auch in die deutsche UNESCO- Liste für immaterielles Kulturerbe und anschließend in die internationale Liste aufgenommen wird, fällt im Herbst. zEUGniSSE MEnSchlichEn wiSSEnS UnD kÖnnEnS » Aus einer Blei- mischung werden Lettern gegossen, auf denen wie bei einem Stempel die Buchstaben hervorstehen.

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