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Leipzig - Näher dran 03_2014 - Schwarze Kunst

22 Schwarze Kunst Drucktechniken als Weltkulturerbe Thomas Kurz ist ein Zeitreisender. Je- den Tag bewegt er sich mühelos zwi- schen dem 15. und 21. Jahrhundert hin und her. Als Drucker, Gießer und Setzer des Museums für Druckkunst Leipzig weiht er Besucher in das Ge- heimnis der schwarzen Kunst ein, wie der Buchdruck aufgrund der ursprüng- lichen Druckfarbe auch genannt wird. Außerdem ist Thomas Kurz einer der Letzten seiner Art. Denn moderne und digitale Druckverfahren machen den traditionellen Beruf des Druckers und Setzers scheinbar überflüssig. „Es ist schön, das Wissen über die alte Hand- werkskunst weiterzugeben“, erzählt der gelernte Schriftsetzer, „denn vie- le Menschen haben keine Vorstellung mehr davon, wie aufwendig das Dru- cken noch bis vor wenigen Jahren war.“ Die Leipziger Volkszeitung bei- spielsweise wurde noch bis 1990 mit Bleibuchstaben gedruckt. Deswegen hat sich das Museum ein hohes Ziel gesetzt: Die historischen Drucktechni- ken sollen in die Liste der UNESCO für immaterielle Güter aufgenommen wer- den. Dabei geht es dem Museum nicht nur darum, das Wissen zu konservie- ren, sondern es auch weiterzuentwi- ckeln. Beispielsweise nutzen Künstler in den Werkstätten des Hauses zwar die alten Drucktechniken, nehmen da- bei jedoch leichte Änderungen vor und erzielen dadurch neue Ergebnisse. LebendIGes Wissen „Wer weiß, mit welchem Leder die Farbe früher aufgetragen wurde?“, fragt Thomas Kurz eine Gruppe Be- sucher, die um eine Druckerpresse aus dem 16. Jahrhundert herumsteht. Dabei hält er zwei Ballen in die Luft, die jeweils an Holzgriffen befestigt sind. Nach einem kurzen, schweigsa- men Moment liefert der Drucker die Antwort: „Hundeleder!“ Zufrieden be- trachtet Thomas Kurz den gewünsch- ten Effekt, indem er in die verblüfften Augen seines Publikums sieht. „Hunde haben keine Schweißdrüsen. Deswe- gen kann mit diesen Lederballen die Farbe gleichmäßig auf die Druckform übertragen werden“, klärt er auf. An- schließend führt er einen Probedruck vor. Alle Pressen und Maschinen der 2.000 Quadratmeter großen Ausstel- lungsfläche sind noch betriebsbereit, an einigen dürfen sich sogar die Besu- cher selbst ausprobieren. Es gibt nur wenige Orte, an denen die historische Handwerkskunst noch so lebendig ist Thomas Kurz weiß mit der Druckmaschine Marke „Wharfedale“ aus dem 19. Jahr- hundert umzugehen. » a B fi

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