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Booklet Lichtfest Leipzig 2012

6 Lichtfest Leipzig 2012 Mit dem Bau der Mauer 1961 wurde Ungarn und insbesondere die Region um den Balaton zum Ort der deutsch-deutschen Begeg- nung und des Austausches. Über drei Jahrzehnte trafen sich dort durch die innerdeutsche grenze getrennte familien und freunde aus Ost- und Westdeutschland. gemeinsam nahmen sie die deut- sche einheit in den zeiten des Kalten Krieges vorweg. Grenzöffnung Bereits der 15. März 1989 markierte mit einer Massendemons- tration einen Meilenstein für die ungarische Oppositionsbewe- gung. Die kommunistische partei musste auf ihren führungsan- spruch verzichten und am „Nationalen Runden tisch“ über die Machtfrage verhandeln. Am 2. Mai 1989 begann Ungarn als ers- ter Ostblockstaat mit dem Abbau der befestigten grenzanlagen. Außerdem erfolgte eine Neubewertung der ereignisse von 1956: imre Nagy, die symbolgestalt der Revolution von 1956, wurde exhumiert und am 16. Juni 1989 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich beigesetzt. Damit löste sich Ungarn end- gültig aus der sowjetischen hegemonie. Auf einer Veranstaltung direkt an der grenze zwischen Ungarn und Österreich bei sopron, dem „paneuropäischen picknick“, flohen am 19. August 1989 schließlich hunderte Bürger der DDR nach Österreich. Knapp einen Monat später wurde die grenze endgültig geöffnet und am 11. september 1989 gestattete die ungarische Regierung zehntausenden DDR-flüchtlingen die Ausreise. Neue Werte für die Ostblockstaaten, die sich ohnehin bereits in einer Wirt- schafts- und Legitimationskrise befanden, hatte die ungarische entscheidung zur grenzöffnung signalwirkung. Auch in der DDR, deren führung sich lange gegen ein neues außenpolitisches Den- ken verweigerte, fand sie gehör und bestärkte die Opposition in ihrem engagement für die friedliche Revolution. Nach 1989 verfolgte Ungarn einen entschlossenen Weg hin zur Demokratie und nach europa: zum Beispiel gehörte das Land zu den ersten staaten des ehemaligen Ostblocks, die eine freiheit- lich-demokratische grundordnung etablierten und der NAtO sowie der europäischen Union beitraten. Die jetzige ungarische Regie- rung unter Viktor Orbán ist mit der von ihm vorangetriebenen neuen Verfassung und der Verabschiedung eines umstrittenen Mediengesetzes im in- und Ausland in die Kritik geraten. Die Vorwürfe lauten, dass die gesetze nicht mit dem europäischen Wertekanon vereinbar seien. zweifellos erhalten bleiben aber Un- garns Verdienste um die Überwindung von grenzen.

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